Sport · Windsurfen

Windsurfen
SUI-39

Kapitel 1

Der Verdränger

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Am Anfang war der Verdränger. Manche von euch können sich vielleicht noch daran erinnern: riesige, schwere Boards, die kaum etwas mit dem heutigen Material gemeinsam hatten – eher Segelboote als Windsurfer. Bei Leichtwind waren diese Boards allerdings wirklich top. Meine ersten Erfahrungen sammelte ich auf einem HiFly – 3,50 Meter lang und wohl 20 Kilogramm schwer. Gemeinsam mit meinem Vater durfte ich das Windsurfen schon in frühester Kindheit erlernen. Für mich ist dieser Sport fast wie das Gehen – tief in meinen Genen verankert. In den ersten Jahren war ich vor allem als Passagier mit dabei – meistens hinten auf dem Brett liegend, während mein Vater über den See glitt. Manchmal stand ich auch zwischen seinen Beinen und half, so gut ich konnte, das Segel zu halten.

Für mich waren diese Momente etwas ganz Besonderes. Schon damals spürte ich die Faszination des Windsurfens: das Rauschen des Wassers, die Kraft des Windes und das Gefühl von Freiheit auf dem See. Ohne es zu wissen, legten diese gemeinsamen Fahrten den Grundstein für eine Passion, die mich in meinem Leben begleiten sollte.

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Nach zwei Jahren als Passagier hatte ich genug davon, nur mitzufahren. Ich wollte alleine aufs Brett und die Kontrolle übernehmen. Mein Vater überraschte mich mit einem der ersten Kinderriggs, die damals verfügbar waren, und ich konnte endlich loslegen. Hier sieht man mich bei meinen ersten Versuchen, alleine zu surfen. Es sah schon ganz ordentlich aus, doch das war erst der Anfang einer grossen Liebe. Ich war sechs Jahre alt, im Sommer 1983, kurz vor meinem siebten Geburtstag. Von da an gab es für mich nur noch eines: auf dem Brett stehen, den Wind in den Haaren spüren und das unvergleichliche Gefühl des Gleitens über das Wasser geniessen. Ob mit viel Wind oder ganz ohne – jede freie Minute zog es mich an den See. Eigentlich war ich immer auf dem Wasser. Mit jeder Session wurde ich besser, und schon bald konnte ich auf kleinere Bretter und grössere Segel umsteigen.

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Die nächsten Meilensteine waren die ersten Fahrten in den Schlaufen und mit dem Trapez. Gemeinsam mit meinen Surfkumpels vom Surfclub verbrachte ich unzählige Stunden auf dem Wasser. Wir waren eine grossartige Clique, teilten dieselbe Leidenschaft und hatten zusammen unvergessliche Erlebnisse. Vor allem aber hatten wir eines: saumässig viel Spass.

Jeden Sommer organisierte mein Surfclub die legendäre Surfrallye. Der Anlass machte riesigen Spass, doch eines war für mich klar: Ich wollte gewinnen.

Und genau das gelang mir. Mit zehn Jahren durfte ich endlich zum ersten Mal teilnehmen – und gewann die Surfrallye gleich bei meinem Debüt. Es war ein Moment, den ich nie vergessen werde, und einer, der meine Passion fürs Windsurfen noch weiter wachsen liess.

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Dieses Bild entstand, als ich etwa zwölf Jahre alt war. Es war ein hervorragender Bisetag auf dem Neuenburgersee. Man sieht deutlich den Unterschied zu früheren Jahren: Das Brett war kleiner und das Segel bereits etwas moderner. Über all die Jahre hinweg blieb Windsurfen neben dem Wintersport meine grösste Leidenschaft. Natürlich war es mir immer wichtig, meine Zeit auf dem Wasser mit meinen Surfkumpels zu teilen.

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Mit 14 Jahren hatte ich bereits ein sehr gutes Level erreicht. Sprünge, darunter erste Versuche von Frontloops, Cheese Rolls und Table Tops, gehörten von nun an zu jeder Session. Bei Bise bietet der Neuenburgersee in Yvonand hervorragende Bedingungen zum Springen. Die Wellen können bis zu zwei Meter hoch werden, und die Wellen- und Windrichtung passen ebenfalls sehr gut zusammen. Fleissiges Üben bei jeder Gelegenheit verbesserte mein Können, und schon bald wurde mein Board nochmals kürzer und anspruchsvoller. Auf diesem Bild bin ich mit meinem ersten F2 Revolution zu sehen.

Auf dem nächsten Bild bin ich im Vordergrund zu sehen, mein bester Surfkumpel Sacha Brand im Hintergrund. Es waren Zeiten, die ich nie vergessen werde. Wir hatten so viel Spass, machten eine Menge Blödsinn und pushten uns natürlich gegenseitig immer weiter. Sacha ist zwei Jahre älter als ich und hatte in Sachen Kraft und Können einen gewissen Vorsprung. Das war für mich grossartig, denn ich wollte besser sein als er und lernte dadurch sehr schnell.

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Leider finde ich aus den folgenden Jahren bis zu meinem 19. Lebensjahr keine Actionbilder vom Windsurfen. Ich verbrachte immer mehr Zeit im Schnee, mein Vater stand nicht mehr am Strand, um Bilder zu knipsen – und dann kam die lange Pause. In den folgenden 26 Jahren windsurfte ich nur noch ein paar Mal. Doch die Liebe zum Windsurfen starb nie. Sie schlummerte tief in mir weiter – bis zu jenem Schicksalstag, an dem ich am 3. Februar 2022 von einer sehr grossen Lawine verschüttet wurde und nur mit sehr, sehr viel Glück überlebte. Einige Wochen später beschloss ich, wieder mit dem Windsurfen zu beginnen.

Kapitel 2

Der Weg zurück

Frühjahr 2022: Ich kaufte mir auf dem Occasionsmarkt einiges an Windsurfmaterial und verbrachte jede freie Minute, in der es Wind hatte, auf dem See. Die ersten Sessions waren etwas gewöhnungsbedürftig, denn bei der Entwicklung der Boards und Segel hatte sich in den vergangenen Jahren sehr viel verändert. Die Boards waren generell breiter und kürzer, die Segel kraftvoller – sie hatten also deutlich mehr PS. Besonders im Bereich vom Freeride- bis zum Race-Slalom-Material war der Unterschied riesig.

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Hier bin ich bei einer Session in Punat auf der Insel Krk in Kroatien zu sehen – mit einem Freerideboard und einem Freerace-Segel. Schnell fand ich zu meinem früheren Können zurück und konnte mich dank des Materials der neueren Generation rasch weiterentwickeln. Bald wusste ich: Es ist wie Fahrradfahren – man verlernt es nie. Mir war ebenfalls klar, dass ich mich in den kommenden Jahren auf das Windsurfen konzentrieren und viel Zeit und Geld in Material und Reisen investieren würde.

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Da wir unsere Sommer seit 2019 im Süden Sloweniens verbrachten, war der Weg nach Krk in Kroatien nicht weit. Wann immer es Wind gab, fuhren wir hinunter, und ich surfte so viel ich konnte. Auch das Halsen funktionierte bereits wieder hervorragend, und es machte einfach riesigen Spass. Dann passierte es an einem Tag mit kräftigen Bora-Böen – wer Kroatien kennt, weiss, was ich meine: Ich brach mir zwei Rippen. Sechs Wochen Pause. So ein Mist.

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Einige Wochen später war ich auf Sardinien. Die Rippen waren verheilt und der Hunger nach Wind noch immer riesig. Meine Frau stammt aus Sardinien, und so haben wir bei meinen Schwiegereltern eine Unterkunft zur Verfügung. Wir verbringen im Frühjahr und Herbst gerne jeweils einige Wochen dort, um den Sommer zu verlängern – und in meinem Fall natürlich auch, um den guten Wind zu geniessen. Sardinien bietet an unzähligen Spots von Nord bis Süd teilweise fantastische Bedingungen. Die beiden Fotos mit dem blauen Gaastra Vapor entstanden in Stintino, einem meiner Lieblingsspots auf Sardinien.

Während dieser Session im Herbst 2023 in Stintino traf ich auch Andrea Cucchi, den Chef von Point-7, zum ersten Mal. Wir hatten eine grossartige Session mit engem Racing. Während einer Pause am Strand sprach er mich an und forderte mich auf, mit seinem Material einige Runden zu drehen und ihm anschliessend ein Testfeedback zu geben. Beim Segel handelte es sich um einen Prototyp für die 2024er-Serie.

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Also testete ich das Material und gab ihm meine Meinung dazu. Wir waren uns einig, was noch verbessert werden könnte, änderten das Segel am Strand mit Klebeband ein wenig ab und testeten es anschliessend erneut. Wir waren beide mit dem Ergebnis zufrieden und unterhielten uns eine Weile über das Windsurfen und meinen Werdegang. Ich besass bereits ein Point-7-Segel und war damit sehr zufrieden. Andrea bot mir an, im folgenden Jahr bei Point-7 als Promo-Teamrider einzusteigen, um zu sehen, wohin die Reise führen würde. Danach blieben wir in Kontakt und besprachen das weitere Vorgehen.

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Im nächsten Frühjahr besorgte ich mir bei Bise Noire am Murtensee in der Schweiz ein Foil. Zwar konnte ich von Anfang an ziemlich gut damit fliegen, doch die Halsen waren nicht ganz einfach. Es dauerte einige Sessions, bis ich meine erste Halse vollständig durchfliegen konnte. Ich hatte ein einfaches Einsteigerfoil gekauft, was den Lernprozess enorm erleichterte. Wir reisten erneut nach Sardinien, und ich übte fleissig weiter. Foilen macht riesigen Spass. Es ist natürlich etwas völlig anderes als Windsurfen mit einer Finne unter dem Board, macht aber bestimmt nicht weniger Freude. Auch die Herausforderung, das Foilen zu meistern, ist mindestens ebenso gross. Mit jeder Session wurde ich etwas besser, und schon bald hatte ich das Gefühl, dass ich ein schnelleres Foil bräuchte.

Kapitel 3

SUI-39

Ich entschied mich, wieder eine Segelnummer zu beantragen, mit dem Ziel, den einen oder anderen nationalen Event zu bestreiten. Ich wählte SUI-39, weil 39 die Quersumme meines Geburtsdatums ist. Endlich war es so weit und ich erhielt meine erste grosse Lieferung von Point-7. Von nun an sollte ich also Teamrider von Point-7 sein. Damals wusste ich noch nicht, wohin mich mein Weg beim Windsurfen führen würde. Der Spass stand im Vordergrund – und das ist auch heute noch so.

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Mein Hauptfokus beim Windsurfen lag bereits seit meiner Jugend auf dem Slalom-Racing. Aber natürlich macht auch das Springen nach wie vor sehr viel Spass. Wann immer sich eine gute Welle vor mir aufbaut, kann ich nicht widerstehen und drücke ab. Der Vorteil eines Slalomboards gegenüber einem Waveboard ist, dass es viel schneller ist. Dadurch ermöglicht die höhere Geschwindigkeit beim Absprung auch sehr weite Flüge. Gibt es etwas Geileres?!

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Im Sommer 2024 entschied ich mich auf Drängen von Heidi Ulrich, einmal nach La Palme zum Speedbeach, dem Plage du Rouet in Südfrankreich, zu fahren und mir das Ganze aus der Nähe anzuschauen. Zunächst traute ich mich noch nicht auf ein Speedboard. Es sollten einige Wochen vergehen, bis ich mich bei meinem zweiten Trip nach La Palme dazu entschloss, meine ersten Runs mit einem 45er-Speedboard zu versuchen. Es klappte auf Anhieb und völlig problemlos. Mit jedem Run wurde ich mutiger und schneller. Doch dazu gleich mehr.

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Nicht nur CHRIS BENZ nahm mich als Uhrensponsor in sein Ocean Team auf, sondern ich konnte im Sommer 2025 auch einen Deal mit FMX Schweiz abschliessen. Bei einigen Besuchen in La Palme hatte ich bereits gute Geschwindigkeiten aufgezeichnet und damit auf mich aufmerksam gemacht. Diese Sponsorings schienen eine logische Folge davon zu sein und sollten mir dabei helfen, meine nächsten Ziele zu erreichen.

F4 Foils sprang ebenfalls auf den Expresszug auf, und auch Bucher & Walt sicherte mir Unterstützung zu.

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Von nun an war ich also komplett mit dem neuesten Material ausgestattet, und mein Level verbesserte sich noch einmal erheblich.

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Die grösste Ehre und gewissermassen ein Ritterschlag ist für mich die Aufnahme in das CHRIS BENZ Ocean Team. Mit Teammitgliedern wie Björn Dunkerbeck und Antoine Albeau befinde ich mich in bester Gesellschaft. Zusammen bringen es die beiden auf unglaubliche 69 Weltmeistertitel: Antoine auf 27 und Björn auf 42. Was für Zahlen! Natürlich zählen beide zu den schnellsten Windsurfern der Welt. Antoine hält nicht nur den Weltrekord über 500 Meter in Lüderitz, sondern auch über die nautische Meile in La Palme, Frankreich.

Die Geschichte ging also weiter. Im nächsten Kapitel erzähle ich mehr über das Speedwindsurfen.

Kapitel 4

Speed Windsurfen

Im Sommer 2024 reiste ich zum ersten Mal nach La Palme und folgte damit der Aufforderung von Heidi Ulrich, der damals schnellsten Frau der Welt. Speedwindsurfen war ein Kindheitstraum. Nun war ich umgeben von den Besten der Welt und voller Adrenalin.

Bei meinem ersten Besuch wollten mich einige der besten Speedsurfer gleich auf ein Speedboard stellen. Ich lehnte jedoch ab – aus Respekt oder vielleicht auch ein wenig Angst. Stattdessen heizte ich mit meinem 98-Liter-Slalomboard herum und erreichte erstaunliche Geschwindigkeiten. Ich war schneller als je zuvor: über 37 Knoten.

Nach zwei üblen Crashes reiste ich mit ordentlichen Rückenschmerzen zurück nach Sardinien zu meiner Frau und meiner Tochter. Es dauerte jedoch nicht lange, bis ich wieder zurück an den Speedbeach wollte. Der Virus des Speedsurfens hatte mich erwischt, und ich war motiviert, dem 45-Liter-Speedboard eine Chance zu geben.

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Im September reiste ich zum Prince-of-Speed-Event, kurz POS. Roger Ornvang, ein schwedischer Speedsurfer und Speedkiter, war ebenfalls wieder dort. Sein Angebot, mir sein AV-Speedboard auszuleihen, bestand nach wie vor. Gleich am ersten Tag ergriff ich meine Chance und übte zunächst einige Starts. Ein sicherer Wasserstart ist essenziell, wenn man bei über 40 Knoten ablandigem Wind an einer Stelle im Wasser liegt, an der man nicht mehr stehen kann. Doch alles funktionierte problemlos.

Nach einigen vorsichtigen Tests über jeweils etwa 100 Meter, bei denen ich herausfinden wollte, wie gut die winzige Finne das Board auf Kurs hielt, jagte ich schon bald den Strand entlang. Mit jedem Run wurde ich etwas schneller. Am Ende des zweiten Tages zeigte mein GPS fast 39 Knoten über zwei Sekunden und beinahe 37 Knoten über 500 Meter an. Roger meinte, das sei für mein erstes Mal hervorragend. Ich durfte das Board und die passende Finne leihweise behalten, damit ich weiterüben konnte.

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Es sollte eine längere Pause vom Speedsurfen werden. Zurück auf Sardinien kehrte wieder der Windsurf-Alltag ein: Slalomheizen und Foilen standen auf der Tagesordnung. Daran war eigentlich nichts falsch – im Gegenteil. Ich lebte den Traum vieler und konnte jeden Tag windsurfen. Mitte November wurde es jedoch auch auf Sardinien kälter, und der Winter kündigte sich mit Regen und Stürmen an. Mit der Gemütlichkeit war es vorbei. In Frankreich hatte es schon länger keinen starken Tramontana mehr gegeben, und die Temperaturen waren definitiv zu kalt, um im Surfbus zu schlafen. Also ging es zurück in die Schweiz – ins Winterquartier und zum Arbeiten.

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Der Winter war lang und kalt, aber Gott sei Dank konnte ich beim Innenausbau eines Chalets im wunderschönen Gstaad arbeiten. Alles halb so wild – doch in meinem Kopf lief fast Tag und Nacht derselbe Film vom Speedsurfen. Es brauchte viel Geduld, denn es sollte bis April dauern, bis ich wieder nach Frankreich fahren konnte. Wenn ich in der Zwischenzeit nicht arbeitete, ging ich zum Powsurfen. Mehr dazu in der Rubrik Powsurfen. ;-)

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Endlich war es so weit: Im April fanden in La Palme, Frankreich, die Weltmeisterschaften im Speedwindsurfen statt. Principe Baldini organisierte den Event, und da ich seiner Meinung nach schnell genug war, durfte ich mich anmelden. Ich hatte mein ganzes Leben lang Sport betrieben – viel Sport, in zahlreichen Disziplinen und auf gutem oder sehr gutem Niveau. Doch an einer Weltmeisterschaft hatte ich noch nie zuvor teilnehmen dürfen. Also reiste ich Anfang April an, um mich noch etwas akklimatisieren zu können, bevor es losging.

Bei der Weltmeisterschaft geht es darum, wer über 500 Meter die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht. Der erste Tag lief hervorragend. Ich behauptete mich auf dem 27. Platz in der Zwischenwertung und lag nur 1,5 Knoten hinter Rang zehn. Ich war überzeugt, am nächsten Tag noch eine Schippe drauflegen zu können – doch es sollte anders kommen.

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Am nächsten Tag und auch an den darauffolgenden Tagen war der Wind zu schwach. Es sollte mehr als eine Woche dauern, bis der nächste kräftige Tramontana aufkam. Zeitgleich mit der Weltmeisterschaft fand in Guadeloupe ein PWA-Event statt. Die Verzögerung aufgrund des fehlenden Windes in La Palme spielte den PWA-Profis in die Karten, und sie reisten nach dem Event direkt von Guadeloupe nach La Palme. Als die Weltmeisterschaft endlich fortgesetzt werden konnte, war das Fahrerfeld um einige grosse Namen angewachsen, darunter Matteo Iachino, Cédric Bordes und weitere Spitzenfahrer.

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Am zweiten Wettkampftag konnte aufgrund des schwachen Windes erneut nur ein Heat gefahren werden. Der Wind war einfach zu schwach, und ich war mit einem zu kleinen Segel unterwegs. Ich hatte mich bei der Materialwahl verzockt und schaffte es nur bei einem meiner Runs bis zur Zielboje. Für eine Wertung sind jedoch mindestens zwei gültige Runs erforderlich. Somit kassierte ich am zweiten Tag ein DNF.

Am dritten Wettkampftag spielte sich für mich fast das Gleiche ab. Überwältigt vom Gedränge unter den 70 teilnehmenden Surfern, erneut mit einem zu klein gewählten Segel unterwegs und zusätzlich mit etwas Pech beim Wind, konnte ich meine Leistung vom ersten Tag nicht bestätigen und rutschte in der Rangliste weit nach hinten.

Ich musste viel Lehrgeld bezahlen, erreichte aber mein Ziel, nicht Letzter zu werden. Der 35. Platz von 50 gewerteten Fahrern war in Ordnung und liess viel Luft nach oben. Natürlich war es schade, dass ich die Leistung vom ersten Tag an den beiden anderen Wettkampftagen nicht wiederholen konnte. Aber was soll’s – beim nächsten Mal läuft es besser.

Wettkämpfe waren ohnehin nie mein Lieblingsding. Das Gute am Speedwindsurfen ist jedoch, dass man sich mithilfe der GPS-Daten auch mit Surfern aus aller Welt messen kann. Die Daten werden auf eine Website oder in eine App hochgeladen, wo Ranglisten in verschiedenen Kategorien geführt werden.

Frei zu surfen und trotzdem direkte Vergleiche zu haben – genau das liebe ich.

Kapitel 5

Erfolge

Zu meinen grössten Erfolgen zählen zweifellos die Zulassung zu den Weltmeisterschaften 2025 und meine Teilnahme daran.

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Ebenso bedeutend ist für mich die Aufnahme in verschiedene Teams: allen voran Point-7 als mein erstes Team sowie die Aufnahme in das CHRIS BENZ Ocean Team von CHRIS BENZ Watches – für mich die grösste Ehre. FMX Racing, Chopper Fins, Bucher & Walt und zuletzt O’Neill Schweiz als Unterstützer an meiner Seite zu wissen, bedeutet mir ebenfalls sehr viel – besonders in einer Branche, die mit sich verändernden Märkten, globalen Transportschwierigkeiten und zahlreichen weiteren Herausforderungen zu kämpfen hat.

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Leistungsmässig gehören meine ersten 500-Meter-Läufe mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 40 Knoten zu meinen grössten Erfolgen. Meinen bisher schnellsten 500-Meter-Run erreichte ich im September 2025 in La Palme mit 40,38 Knoten. Seitdem überschritt die 40 Knoten noch einige weitere Male.

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Im Frühjahr 2026 konnten die Weltmeisterschaften aufgrund des fehlenden Windes nicht ausgetragen werden. Da ich jedoch längere Zeit in La Palme verbrachte, konnte ich im Vorfeld gut trainieren. Dabei durchbrach ich im Topspeed erstmals die Marke von 80 km/h und erreichte 43,91 Knoten. Ausserdem schaffte ich zum ersten Mal einen 5 × 10-Sekunden-Durchschnitt von über 40 Knoten. Diese Leistungen sind wichtige Meilensteine für jeden Speedwindsurfer.

Das CHRIS BENZ Ocean Team bei der Weltmeisterschaft im Frühjahr 2026 – von links nach rechts: Roger Ornvang, Antoine Albeau, Chris Benz und Jan Gyger. Björn Dunkerbeck war leider nicht dabei. Aufgrund des fehlenden Windes reiste er gar nicht erst an. Leider kam während der gesamten Weltmeisterschaft in der Finnen-Kategorie keine gültige Wertung zustande. Wegen des zu schwachen Windes konnte lediglich die Foil-Kategorie durchgeführt werden. Trotzdem hatten wir wie immer eine grossartige Zeit.

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Mein grösster Erfolg überhaupt ist jedoch wohl die nautische Meile mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 38,95 Knoten, die ich im Juli 2026 erreichte. Der Run war nahezu perfekt, und zur magischen Marke von 40 Knoten fehlte nur sehr wenig. Mit 38,95 Knoten ist dies die schnellste bisher aufgezeichnete nautische Meile eines 36- bis 50-jährigen Windsurfers mit weniger als 80 Kilogramm Körpergewicht – ein inoffizieller Weltrekord. Im selben Run erreichte ich über 250 Meter eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 41,98 Knoten. Dieses Resultat brachte mich auf den 14. Rang bei der Summer Edition der Dunkerbeck Speed Challenge. Ausserdem überschritt ich in diesem Run erstmals die Marke von 45 Knoten Spitzengeschwindigkeit: 45,30 Knoten beziehungsweise 83,9 km/h.

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Die Erfolge der letzten eineinhalb Jahre fühlen sich schon fast unwirklich an. Am Anfang meiner Zeit als Speedsurfer wurde mir mehrfach versichert, dass es Jahre dauern würde, bis ich wirklich schnell sein würde. Doch bereits nach knapp einem Jahr erreichte ich den Meilenstein von 40 Knoten über 500 Meter. Kurz darauf folgten eine traumhafte nautische Meile mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 38,95 Knoten und ein Topspeed von über 45 Knoten. Solche Werte haben bisher nur wenige Windsurfer erreicht.

Das bisherige Sahnehäubchen des laufenden Jahres 2026 ist mein derzeitiger neunter Platz im Weighted World Ranking. Das bedeutet: In der Gesamtwertung über sämtliche Distanzkategorien sowie alle Alters- und Gewichtsklassen liege ich momentan auf Platz neun der Weltrangliste. Mit einem besseren Alpha 500, also einer schnelleren Halse, könnte ich mindestens einen, vielleicht sogar zwei Plätze nach vorne rücken. Ich bleibe dran und pushe mich weiter, solange ich mich wohlfühle und die Bedingungen es zulassen. Ich habe mir grosse Ziele gesetzt – mehr dazu im nächsten Kapitel.

Projekte und Ziele

Mission 50/50

Mission 50/50 – 50 Knoten mit 50 Jahren

Am 27. Juli 2026, meinem 50. Geburtstag, startete offiziell meine Mission 50/50. Das Ziel ist klar: Als Athlet über 50 möchte ich die magische Marke von 50 Knoten durchbrechen – das entspricht 92,6 km/h auf einem Windsurfboard.

Was einfach klingt, ist eine gewaltige Herausforderung. Weltweit haben bisher nur ungefähr 50 Windsurfer diese Geschwindigkeit erreicht. Jeder zusätzliche Knoten verlangt bessere Technik, perfekt abgestimmtes Material, körperliche Fitness, mentale Stärke und vor allem die richtigen Bedingungen.

Speedkanal in Lüderitz

Mission 50/50 dokumentiert den gesamten Weg: Training, Materialtests, Rückschläge, internationale Speed-Events und die Vorbereitung auf die ultimative Herausforderung in Lüderitz. Es geht nicht nur um eine Zahl auf dem GPS, sondern um den Mut, mit über 50 Jahren weiterhin Grenzen zu verschieben und ein scheinbar fast unerreichbares Ziel zu verfolgen.

Ein Projekt auf diesem Niveau ist ohne starke Partner kaum umsetzbar. Speedboards, Segel, Masten, Finnen und Sicherheitsausrüstung müssen laufend getestet und perfekt aufeinander abgestimmt werden. Hinzu kommen Reisen, Trainingsaufenthalte, Startgelder, Logistik sowie die professionelle Dokumentation der Mission.

Meine bestehenden Partner unterstützen mich mit Sonderkonditionen. Für die nächsten Schritte – internationale Wettkämpfe, weitere Trainingsphasen und schliesslich Lüderitz – suche ich zusätzliche Sponsoren und Unterstützer, die diesen aussergewöhnlichen Weg mit mir gehen möchten.

Partner der Mission 50/50 begleiten nicht nur einen Athleten auf der Jagd nach einer Zahl. Sie werden Teil einer authentischen Geschichte über einen Neuanfang, Ausdauer, Mut und den Willen, auch mit über 50 Jahren scheinbare Grenzen zu überwinden. Die Reise bietet laufend echte Inhalte: Training, technische Entwicklung, Erfolge, Rückschläge, Wettkämpfe und die entscheidenden Momente auf dem Wasser.

Die Mission hat kein festes Enddatum. Sie endet erst, wenn auf dem GPS 50 Knoten stehen.

Projekte und Ziele

PWA World Tour 2027

PWA World Tour 2027

Die PWA World Tour ist die höchste internationale Wettkampfbühne im professionellen Windsurfen. Mit der neu geschaffenen U80-kg-Klassifikation erhalten leichtere Fahrer die Möglichkeit, ihre Leistungen innerhalb einer vergleichbaren Gewichtsklasse sichtbar zu machen.

Für mich eröffnet diese Klassifikation eine aussergewöhnliche sportliche Chance. Im Jahr 2027 möchte ich bei ausgewählten Veranstaltungen der PWA World Tour als U80-kg-Fahrer antreten. Mein Ziel ist nicht nur die Teilnahme: Aufgrund meiner bisherigen Leistungen bin ich überzeugt, dass ich in dieser Wertung konkurrenzfähig sein und um die vorderen Plätze mitfahren kann.

Die Vorbereitung auf die PWA World Tour verlangt gezieltes Training, perfekt abgestimmtes Material und regelmässige Vergleiche mit den besten Fahrern der Welt. Hinzu kommen internationale Reisen, Startgelder, Logistik und die professionelle mediale Begleitung der Veranstaltungen.

Während sich Mission 50/50 auf das persönliche Ziel konzentriert, nach meinem 50. Geburtstag die Marke von 50 Knoten zu durchbrechen, steht bei diesem Projekt der direkte sportliche Wettkampf im Mittelpunkt.

Die Saison 2027 soll zeigen, wie weit ich es in der internationalen U80-kg-Wertung schaffen kann. Ich möchte diese Chance nutzen, mich mit den Besten zu messen und beweisen, dass ein später sportlicher Neuanfang bis auf die grösste Bühne des Windsurfens führen kann.

Photo Credits: Erich Gyger · Principe Baldini · Eric Raymond · Aurelien Toulan · Francoise Lorho · Ilaria Zadda · Walter Tofalvi